Historisches zur Bluttransfusion
Seit Jahrhunderten sind sich Menschen der hohen Bedeutung des Blutes bewusst und versuchten deshalb – lange Zeit erfolglos – die Übertragung von fremdem Blut auf kranke Menschen zu erzielen. Erst mit der Entdeckung der unterschiedlichen Blutgruppen vor gut 100 Jahren wurde der Weg zur erfolgreichen Bluttransfusion geebnet.
Highlights aus der Geschichte des Blutes
1492 Papst Innozenz VIII. erhält die erste "Frischzellenkur". Dabei wird ihm das Blut drei zehnjähriger Knaben zu trinken verabreicht. Zuerst sterben die drei Kinder, anschließend der Papst.
1615 Der Alchemist A. Libavius beschreibt die Möglichkeit wie "das arterielle, warme und gasreiche Blut vom Gesunden auf den Kranken überspringen wird".
1616 Entdeckung des Blutkreislaufes durch den englischen Arzt William Harvey.
1666 Erste dokumentierte Bluttransfusion von Hund zu Hund.
1667 Erste Tierblut-Mensch-Transfusion.
1668 Entscheidung eines französischen Gerichtes, dass nur Ärzte transfundieren dürfen und dass noch viele Versuche notwendig sind.
1788 Tierversuch. Es wird demonstriert, dass ein ausgebluteter Hund nur Blut zur Wiederbelebung benötigt. Entdeckung der Funktion des Blutes als Sauerstoffträger.
1818 Erste Transfusion von Mensch zu Mensch: Ausgebluteten Frauen wird nach der Geburt ihres Kindes Blut transfundiert.
1820 Gerinnungsprobleme bei "Mensch zu Mensch"-Transfusionen und Rückfall in die Tierbluttransfusion.
1860 Erste Beschreibung der Blutplättchen.
1874 Erkenntnis, dass die Transfusion zwischen unterschiedlichen Spezien tödlich ist.
1900 Veröffentlichung der Blutgruppen (AB0-System) durch Karl Landsteiner.
1916 Erstmals gelingt die Konservierung von Blut.
1919 In den USA wird im Rockefeller-Center die erste Blutbank gegründet.
1921 Der erste Bluttransfusionsdienst wird in London gegründet, unter federführender Beteiligung des Roten Kreuzes.
1924 Na-Citrat (Natrium-Citrat) wird zur Gerinnungshemmung des Blutes verwendet.
1940 Karl Landsteiner entdeckt den Rhesus-Faktor.
Bluttransfusion in der Schweiz
Das Gründungsdatum des schweizerischen Blutspendewesens ist genau bekannt: Am 6. Oktober 1939, kurz nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, erliess der Oberfeldarzt der Armee eine Wegleitung, worin er verlangte, dass sich weitere Spitäler der Bluttransfusion annehmen sollten. Das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) forderte er auf, Zivilpersonen als Blutspender zu werben. Aus dieser Initiative entwickelte sich ein Armeetransfusionsdienst, der glücklicherweise nicht zum Einsatz kam.
Ende 1945 schenkt das Amerikanische Rote Kreuz den Schweizer Gesundheitsbehörden über 13'000 Einheiten Trockenplasma, das via des SRK an die Spitäler verteilt wurde. Diese Schenkung bildete den Anlass für das SRK, einen zivilen „Friedensblutspendedienst“ aufzubauen. Als Vorbild diente die seit 1943 im Besatzungsuntergrund aufgebaute holländische Blutspendeorganisation.
So errichtete das SRK in Bern ein Zentrallaboratorium der Blutspende SRK Schweiz und verpflichtete seine Sektionen zur Gründung Regionaler Blutspendezentren. Diese Zentren wurden zur Werbung und Rekrutierung von Spendern sowie zur Herstellung und Abgabe von Vollblutkonserven verpflichtet.
Zu Beginn der Tätigkeit des ZLB war es notwendig, Leitlinien festzulegen. Als unerlässlich schien die strikte Innehaltung der Unentgeltlichkeit der Spenden. Jenen Spitälern, die begonnen hatten, ihre Spender zu bezahlen, wurden unentgeltliche Spender zur Verfügung gestellt. So gelang es nach wenigen Jahren, die Unentgeltlichkeit landesweit durchzusetzen.
Bedingt durch die Art seiner Entstehung – und auch als Zeichen der typisch schweizerischen föderalistischen Strukturen – war die Blutspende SRK Schweiz noch jahrzehntelang aufgeteilt in eine nicht geringe Anzahl kleiner und kleinster Spitalblutbanken. Noch 1994 waren im Verband der Blutspendezentren 15 ordentliche und 45 assoziierte Mitglieder zusammengeschlossen.

