Entstehung und Entwicklung der Blutspende SRK Schweiz
Die Blutspende SRK Schweiz des Schweizerischen Roten Kreuzes ist ein Musterbeispiel dafür, wie öffentliche Aufgaben durch Non-Profit-Organisationen übernommen werden können. Dabei ist die Entwicklung dieser Organisation spannend und alles andere als geradlinig verlaufen: 1939 als eine Art „Armeetransfusionsdienst“ gegründet, ist sie inzwischen längst zur zivilen, anerkannten Institution innerhalb der Rotkreuz-Familie geworden.
Das Gründungsdatum des schweizerischen Blutspendewesens ist genau bekannt: Am 6. Oktober 1939, kurz nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, erliess der Oberfeldarzt der Armee eine Wegleitung, worin er verlangte, dass sich weitere Spitäler der Bluttransfusion annehmen sollten. Das Schweizerische Rote Kreuz forderte er auf, Blutspender bei Zivilpersonen zu werben. Aus dieser Initiative entwickelte sich ein Armeetransfusionsdienst, der glücklicherweise nicht zum Einsatz kam.
Ende 1945 schenkt das Amerikanische Rote Kreuz den Schweizer Gesundheitsbehörden über 13'000 Einheiten Trockenplasma, das via das SRK an die Spitäler verteilt wurde. Diese Schenkung bildete den Anlass für das SRK, einen zivilen „Friedensblutspendedienst“ aufzubauen. Als Vorbild diente die seit 1943 im Besatzungsuntergrund aufgebaute holländische Blutspendeorganisation.
So errichtete das SRK in Bern ein Zentrallaboratorium der Blutspende SRK Schweiz und verpflichtete seine Sektionen zur Gründung regionaler Blutspendezentren. Diese Zentren wurden zur Werbung und Rekrutierung von Spendern sowie zur Herstellung und Abgabe von Vollblutkonserven verpflichtet.
Zu Beginn der Tätigkeit des ZLB war es nötig, Leitlinien festzulegen. Als unerlässlich schien die strikte Innehaltung der Unentgeltlichkeit der Spenden. Jenen Spitälern, die begonnen hatten, ihre Spender zu bezahlen, wurden unentgeltliche Spender zur Verfügung gestellt. So gelang es nach wenigen Jahren, die Unentgeltlichkeit landesweit durchzusetzen.
Bedingt durch die Art seiner Entstehung – und auch als Zeichen der typisch schweizerischen föderalistischen Struktur – war die Blutspende SRK Schweiz noch jahrzehntelang aufgeteilt in eine nicht geringe Anzahl kleiner und kleinster Spitalblutbanken. Noch 1994 waren im Verband der Blutspendezentren 15 ordentliche und 45 assoziierte Mitglieder zusammengeschlossen. Die Mehrzahl dieser Blutspendezentren entnahm weniger als 1000 Blutspenden pro Jahr und Zentrum.
In den 90er-Jahren haben sich die Blutspendezentren von den SRK-Sektionen losgelöst und sich regional gruppiert. Die meisten der bis dahin gebildeten 13 regionalen Blutspendedienste wählte die Rechtsform der Stiftung.
Das Zentrallaboratorium Bern, das sich inzwischen zu einem modernen internationalen Unternehmen mit rund 670 Angestellten entwickelt hatte, wurde vom SRK zum Verkauf ausgeschrieben. Die Verkaufsverhandlungen mit der australischen CSL wurden im Frühjahr 2000 abgeschlossen.
Auf den 1. Januar 2000 wurde die Blutspende SRK Schweiz zum eigenständigen Verein innerhalb des Schweizerischen Roten Kreuzes ernannt. Seit dem 1. Januar 2005 nun ist die Blutspende SRK Schweiz eine gemeinnützige Aktiengesellschaft im Mehrheitsbesitz des Schweizerischen Roten Kreuzes.
Obwohl eigentlich im Auftrag des Bundes handelnd, sind die Bundesbehörden in der Blutspende SRK Schweiz nicht vertreten. Selbstverständlich besteht eine enge Koordination mit den zuständigen Organen der Bundesverwaltung, namentlich dem Bundesamt für Gesundheit und dem Heilmittelinstitut „Swissmedic“. Ausserdem erhält die Blutspende SRK Schweiz keine Bundessubventionen für ihre Tätigkeit. In den Statuten ist festgelegt, dass die Blutprodukte zum Selbstkostenpreis an die Spitäler weiterverkauft werden.
Organisatorisch und strukturell hat sich die Blutspende SRK Schweiz bereits mehrfach veränderter Bedingungen angepasst. Aus einer rein karitativen und stark auf Freiwilligkeit aufgebauten Organisation wurde so ein professioneller Dienstleistungsbetrieb, der seiner hohen Verantwortung im Bereich Bluttransfusion gerecht wird.

