Aufgaben des Blutes
Blut gilt als „flüssiges Organ“ – eines der wichtigsten und grössten Organe im menschlichen Körper überhaupt. Ein erwachsener Mensch hat rund 5 – 6 Liter Blut.
Der Blutkreislauf ist das grösste Transportsystem des Körpers: Rund 96'000 Kilometer lang ist dieses Leitungssystem, das jede Zelle mit Energie versorgt. Einzig die Hornhaut der Augen, die Haare, der Zahnschmelz sowie die Zehen- und Fingernägel sind nicht durchblutet.
Zu den wesentlichen Aufgaben des Blutes gehören vor allem der Stofftransport, die Abwehr von Krankheitserregern, der Wundverschluss sowie die Wärmeverteilung.
Stofftransport
Um leben zu können, benötigt jede Zelle unseres Körpers Energie. Diese gewinnt sie durch „Verbrennung“ von Zucker mit Sauerstoff zu Kohlendioxid und Wasser. Den Transport dieser Stoffe hin zu den einzelnen Zellen übernimmt das Blut.
Transport von Gasen
- Sauerstoff gelangt durch das Einatmen von Luft in die Lunge.
- In der Lunge nehmen die roten Blutkörperchen Sauerstoff auf und transportieren ihn zu den Zellen in Geweben und Muskeln.
- Das in den Zellen entstehende „Abfallprodukt“ Kohlendioxid wird hier aufgenommen und zurück zur Lunge transportiert, von wo es durch Ausatmen den Körper wieder verlässt.
Transport von festen Stoffen
- Blut nimmt aus dem Darm Nährstoffe auf und transportiert sie zu den Zellen. Dabei sind zwei Gruppen zu unterscheiden: Wasserlösliche (z.B. Traubenzucker) und wasserunlösliche Feststoffe (z.B. Fette). Die wasserunlöslichen Stoffe werden für den Transport an ein Eiweiss gebunden.
- Zellen übergeben dem Blut Abfallstoffe. Es führt sie zur Lunge, zur Leber oder zu den Nieren. Anschliessend verlassen diese Stoffe den Körper, beispielsweise im Urin.
Abwehrfunktion
In der Umwelt leben zahlreiche Krankheitserreger wie Viren, Bakterien, pflanzliche (Pilze) und tierische Parasiten (z.B. Malariaerreger). Unser Organismus braucht ein Abwehrsystem, um sich gegen diese bedrohlichen Eindringlinge zur Wehr zu setzen. An diesem Abwehrsystem sind die weissen Blutkörperchen beteiligt, wobei zwei Abwehrarten unterschieden werden:
Erste rasche Abwehr
- Die eingedrungenen Krankheitserreger setzen den Körper in Alarm.
- Weisse Blutkörperchen, vor allem Granulozyten, wandern zu den Krankheitserregern (z.B. in die Wunde). Die betreffende Körperstelle rötet und erwärmt sich, sie schwillt an und schmerzt - es entsteht eine Entzündung.
- Der Körper erhöht seine Temperatur - der Mensch bekommt Fieber.
- Die Granulozyten versuchen, die eingedrungenen Krankheitserreger zu umschliessen und zu „fressen“. Die Granulozyten gehen dabei selbst zugrunde.
- Später stossen auch die Riesenfresszellen (Makrophagen) zu den Krankheitserregern vor und helfen bei dieser Aufgabe. Durch eine Anhäufung von Fresszellen entsteht Eiter.
Langsam einsetzende, gezielte Abwehr
Hier spielen die Lymphozyten die Hauptrolle:
- Lymphozyten erkennen die in den Körper eindringenden Krankheitserreger (Bakterien, Viren) und beginnen als Gegenmittel massenhaft Antikörper zu bilden, die exakt zu diesen Krankheitserregern passen. Zu jeder Viren- oder Bakterienart werden spezifische Antikörper hergestellt. Dieser Vorgang benötigt etwas Zeit.
- Sind die Antikörper bereit, verbinden sie sich mit den Eindringlingen. Diese Verbindung ist der erste Schritt zur Zerstörung der Krankheitserreger.
- Nun beginnt die Arbeit für die Fresszellen (Makrophagen). Sie umschliessen die Eindringlinge und verdauen diese.
- Sind die Krankheitserreger besiegt, behalten einige Lymphozyten in ihrem Gedächtnis das Rezept für die Bildung dieser spezifischen Antikörper. Greifen gleiche Erreger auch Jahre später den Körper wieder an, können die entsprechenden Antikörper sehr rasch gebildet werden und die Eindringlinge zerstören, bevor sie sich stark vermehrt haben. Der Körper ist gegen diese Krankheit immun geworden; der Betroffene erkrankt deshalb nicht mehr oder nur noch leicht.
Wundverschluss
Die Blutplättchen (oder Thrombozyten) und die Eiweissstoffe aus dem Plasma (Gerinnungsfaktoren) schützen den Körper vor Blutverlust bei kleineren Verletzungen. Die Blutstillung läuft in mehreren Schritten ab:
- Die verletzten Blutgefässe ziehen sich zusammen, sie verengen sich.
- Die Blutplättchen heften sich an den Rand der Gefässöffnung und verschliessen diese innerhalb weniger Minuten.
- Die Gerinnungsfaktoren (Plasmaeiweisse) werden aktiviert und in einem komplexen Vorgang entsteht ein unlösliches, fadenförmiges Protein, das Fibrin. Dieses verstärkt den Plättchenpfropf und bildet einen Schutz, der die Wundheilung ermöglicht.
Wärmeverteilung
Sowohl bei kaltem Winterwetter wie auch im heissen Sommer soll das Innere des menschlichen Körpers eine Temperatur von ca. 37 °C aufweisen. Die Körperwärme entsteht vor allem in arbeitenden Zellen. Das Blut transportiert diese Wärme durch den Körper zu allen Organen. Überschüssige Wärme wird durch erweiterte Blutgefässe in die Haut geführt und abgestrahlt. Wenn nötig, wird die Wärmeabgabe durch Schwitzen (Verdunstung von Wasser) verstärkt.
Wie entsteht Blut?
Die Blutzellen werden nicht im Blut selbst gebildet. Sie entwickeln sich im Knochenmark der Wirbelkörper, des Brustbeins und des Beckenkamms, beim Kind auch in den grossen Gliederknochen.
Das Knochenmark ist also die „Brutstätte“ der Blutzellen. In diesem fetthaltigen Gewebe werden rote Blutkörperchen, weisse Blutkörperchen (Lympozyten, Granulozyten, Makrophagen) und die Blutplättchen produziert.
Die ausgewachsenen Zellen gelangen schliesslich ins Blut und übernehmen ihre spezifischen Aufgaben im Organismus.
Was passiert bei Blutverlust?
Ein Blutverlust von mehr als einem Liter kann tödlich sein. Bei grösseren Verletzungen mit hohem Blutverlust muss die Wunde deshalb möglichst rasch fachgerecht versorgt werden. Oft sind Bluttransfusionen nötig, um den Verlust zu ersetzen.
Bei kleineren Wunden dagegen hilft sich der Körper selbst, indem er die verletzten Gefässe abdichtet.
Siehe auch: Wundverschluss

