Blutgruppe & Rhesusfaktor
Die Bluttransfusion von einem Menschen zum anderen ist in den letzten Jahrhunderten vor allem aus einem Grund gescheitert: Man wusste nichts von den unterschiedlichen, vererbten Blutgruppen.
Erst 1900 entdeckte der Österreicher Karl Landsteiner das Blutgruppensystem AB0 und, 40 Jahre später, den sogenannten Rhesusfaktor.
Bei Bluttransfusionen müssen Blutgruppe und Rhesusfaktor von Spender und Empfänger unbedingt aufeinander abgestimmt sein, sonst verklumpen die Blutkörperchen.
Blutgruppe & Verteilung
Jeder Mensch gehört einer besonderen, vererbten Blutgruppe an. Biochemische Merkmale auf der Oberfläche der roten Blutkörperchen und Antikörper bestimmen, zu welcher Blutgruppe ein Mensch gehört. Für die Transfusionsmedizin wichtig ist das sogenannte AB0-Blutgruppensystem, das vor einem Jahrhundert entdeckt wurde.
Dabei unterscheidet man vier Blutgruppen: 0, A, B und AB. Welche Blutgruppen in der Schweiz am häufigsten und welche am seltensten vorkommen, zeigt die nachstehende Tabelle.
Blutgruppe / Häufigkeit
| A | 47% |
| B | 8% |
| AB | 4% |
| 0 | 41% |
Nicht überall auf der Welt sind die Blutgruppen gleich verteilt wie in der Schweiz. So findet man bei den Indianern Nord- und Südamerikas fast ausschliesslich die Blutgruppe 0. Bei den Bewohnern Zentralasiens und Nordindiens sowie der umliegenden Länder ist es vorwiegend die Blutgruppe B.
Wer passt zu wem?
Bei der Bluttransfusion müssen also unbedingt die Blutgruppen von Spender und Empfänger beachtet werden. Wer wem Blut spenden kann, zeigt die folgende Auflistung:
| Empfänger | |||||
| A | B | AB | 0 | ||
| Spender | 0 | Ja | Ja | Ja | Ja |
| AB | Nein | Nein | Ja | Nein | |
| B | Nein | Ja | Ja | Nein | |
| A | Ja | Nein | Ja | Nein | |
Die wertvollsten Spendenden
Menschen mit der Blutgruppe AB können ihr Blut also nur Empfängern mit derselben Blutgruppe spenden. Auf der anderen Seite können Menschen mit der Blutgruppe Null ihr Blut jedem anderen Menschen spenden; in einem gewissen Masse zählen sie also zu den „wertvollsten“ Spendern.
Der Rhesusfaktor
Die Bezeichnung Rhesus bezieht sich auf weitere Merkmale der Blutgruppen. Rhesus ist der Name einer Affengattung (Rh ist die Abkürzung). Im Serum von Kleintieren, in die das Blut von Macacus-Rhesusaffen injiziert wurde, konnten Wissenschaftler vor 60 Jahren jene Stoffe nachweisen, die auch bei 85 Prozent der Menschen die roten Blutkörperchen verklumpen lassen.
Menschen, die mit dem Serum positiv reagieren, werden als Rhesus positiv, die restlichen 15 Prozent als Rhesus negativ bezeichnet. Bei der Bluttransfusion muss nicht nur auf die Blutgruppen geachtet werden, sondern auch auf den Rhesusfaktor: Spender- und Empfängerblut müssen beide entweder Rhesus positiv oder beide Rhesus negativ sein, sonst könnte die Bluttransfusion gefährliche Reaktionen beim Empfänger auslösen.
Das HLA-System
Heute weiss man, dass nicht nur die Blutzellen individuelle Antigene aufweisen, sondern auch die verschiedenen Gewebe des Körpers. Deshalb versucht der Körper fremde Organe nach einer Organverpflanzung abzustossen. Verantwortlich dafür ist ein Regulationssystem des Körpers, das mit den weissen Blutkörperchen im Zusammenhang steht, das sogenannte HLA-System (Humanes Leukozyten-Antigen). Jeder Mensch hat eine andere genetisch gesteuerte HLA-Konstellation.


