Die Suche nach dem passenden Blutstammzellspender

22.04.2016 Blogbeitrag von: Isabel Zumofen

Besuch in der Abteilung Koordination


Wie genau läuft eigentlich die Suche nach einem passenden Blutstammzellspender für Schweizer Patienten ab? Wie arbeiten die Register international zusammen? Die Antwort liegt bei meinen Arbeitskollegen in der Abteilung Koordination. Teamleiter Michael hat mir einen Einblick in die wichtige Arbeit gegeben, der er zusammen mit den Suchkoordinatorinnen Gaby und Chantale Tag für Tag nachgeht:

Michael: Der Transplantationsarzt beauftragt meine Abteilung mit der Suche nach einem unverwandtenSpender für einen Schweizer Patienten. Auf standardisierten Formularen werden uns die für die Suche relevanten Angaben des Patienten übermittelt. Vom nationalen Referenzlabor für die Bestimmung von Gewebemerkmalen, erhalten wir das sogenannte HLA-Profil des Patienten. Das sind bestimmte Gewebemerkmale, deren Übereinstimmung zwischen Patient und Spender für den Erfolg einer Blutstammzelltransplantation entscheidend sind.



Die eigentliche Suche beginnt, indem wir die HLA-Merkmale des Patienten an die weltweit 75 Spenderregister in 53 Ländern schicken. Mit knapp der Hälfte sind wir über ein  Informationsaustauschsystem verbunden und können so die Daten direkt elektronisch übermitteln. Jedes Register macht danach einen Abgleich mit der Datenbank seiner Spender. Nach einem Tag haben uns die meisten Register ihre passenden Spender übermittelt.

Wie viele mögliche Spender wir erhalten, hängt vom Gewebetyp des Patienten ab: Weist er seltene HLA-Merkmale auf, finden sich höchstens einige wenige passende Spender, in ganz wenigen Fällen leider gar keine. Hier wird uns immer wieder vor Augen geführt, wie wertvoll jede einzelne Registrierung als Blutstammzellspender ist. Erfreulicherweise gibt es aber auch Suchaufträge mit über 100 potenziell passenden Spendern.

Liegen uns die übermittelten Spenderdaten vor, beginnt der herausfordernde Teil unserer Arbeit: Welche dieser möglichen Spender passen am ehesten zum Patienten? Hier geht es um Wahrscheinlichkeitsüberlegungen, bei denen es sehr fundierte HLA-Kenntnisse braucht. Häufig geben wir weitergehende Untersuchungen zur Vervollständigung des HLA-Profils eines Spenders in Auftrag. Je nach Möglichkeit werden bei der Auswahl weitere Spenderkriterien wie beispielsweise das Alter, das Geschlecht und die Blutgruppe mitberücksichtigt.



Finden wir einen möglicherweise geeigneten Spender, fordern wir bei seinem Register eine Blutprobe für eine sogenannte Kontrolltypisierung an: Die HLA-Merkmale eines Spenders müssen stets mit einer zweiten, unabhängigen Untersuchung verifiziert werden. Mit der Anfrage zeigt sich auch, ob die registrierte Person immer noch zu einer Spende bereit ist. Gerade bei schwierigen Suchaufträgen sind wir sehr froh, wenn die Bereitschaft nach wie vor besteht, freiwillig einer unbekannten Person zu helfen.

Am Ende des Suchauftrages liefern wir dem Transplantationsarzt wenn möglich eine Auswahl von drei geeigneten Spendern. Er entscheidet dann über das weitere Vorgehen.

Sobald der passende Spender gefunden und ausgewählt ist und sein Einverständnis gegeben hat, wird der Patient transplantiert. Nach dem Gespräch  mit Michael wird mir einmal mehr klar, wie viel jede einzelne Registrierung als Blutstammzellspender bedeutet. Das Register ist in den letzten Jahren stark gewachsen und zählt inzwischen über 85‘000 Registrierte. Das ist ein Lichtblick für Betroffene, die auf ihren Lebensretter warten. Schön, dass sich immer mehr Menschen mit dem Thema Blutstammzellspende auseinandersetzen.

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SPENDE BLUT – RETTE LEBEN