High-Tech-Medizin und Menschlichkeit

01.05.2018 Blogbeitrag von: Jacqueline Forster 0 Kommentare

Spitzen-Medizin trifft hier auf Menschlichkeit: ein Besuch im Transplantationszentrum des Universitätsspitals Basel.

Es ist einer dieser plötzlichen, frühen Sommertage im April. Die Natur explodiert freudig und so sitzen auch die Menschen in den Strassencafés und am nahen Rheinufer. Wenige Meter daneben, im Universitätsspital Basel, herrscht eine etwas andere Stimmung.

Ich warte mit einer Gruppe Menschen auf die Führung durch das Transplantationszentrum. Ärzte des Basler Unispitals werden uns zeigen, wo Blutstammzellen entnommen, wo sie aufbereitet und wo sie Patienten, die an Leukämie oder einer anderen schweren Krankheit des Blutbildes leiden, transplantiert werden. Das Wissen, dass in diesen Räumen Menschen hoffen, bangen, leiden, sterben und auch wieder gesund werden, filtert die heitere Sommerstimmung, dämpft Licht und Stimmen. Mit mir wartet auch eine ältere Frau, die seit 26 Jahren zum ersten Mal wieder das Unispital betritt. Sie hat ihren Mann damals an Leukämie verloren. Es ist ein emotionaler Gang für die Frau.


Foto: Wir werden durch historisch anmutende Säle mit Gewölbedecken geführt

Wir werden von kundigen Ärzten durch weitläufige Labors und Korridore geführt, hinein in grosse, historisch anmutende Säle mit Gewölbedecken: dort wo früher Basler Fürsten residierten, stehen nun Computer, Mikroskope und medizinische High-Tech-Geräte. Für Laien ist dies eine fremde Welt. Sie weckt Bewunderung in mir: für das profunde Wissen der Menschen, die sich hier tagein, tagaus für die Linderung und Heilung von Schwerkranken einsetzen, und auch für den Humor und die tiefe Menschlichkeit, welche die Ärzte ausstrahlen.

Im Transplantationszentrum des Universitätsspitals Basel findet der gesamte Kreislauf statt: Spenderinnen und Spendern kommen zur Entnahme der Stammzellen, diese werden aufbereitet und Patienten verabreicht. Dies passiert allerdings nicht zwingend im selben Spital oder gar im selben Land: in der Schweiz gibt es ein Blutstammzellregister, das weltweit vernetzt ist. Spender und Empfänger können auf verschiedenen Kontinenten leben. Das einzige, was zählt: die gespendeten Stammzellen müssen so gut wie möglich zum Patienten passen. Die Transplantation von blutbildenden Stammzellen ist bei Leukämie heute eine wichtige Behandlungsform. Vor 26 Jahren, als der Mann meiner Begleiterin krank war, wurden erst selten Menschen transplantiert.


Foto: Zimmertür zur Isolierstation

Noch eine Spur stiller wird es auf der Isolierstation. Hier werden die Patienten transplantiert. Wir dürfen ein Isolierzimmer besuchen, das sich auf den ersten Blick nicht von einem herkömmlichen Spitalzimmer unterscheidet. Ich habe ein Isolierzelt darin erwartet. Doch das ganze Zimmer ist isoliert: Pilzsporenfilter an der Decke, Spezialfilter am Wasserhahn im Bad sowie der leichte Überdruck im Zimmer gewährleisten die lebensnotwendige keimfreie Atmosphäre. In diesen Zimmern verbringen die Patienten nach der Transplantation vier bis sechs Wochen – und dürfen den Raum nicht verlassen. Der Frühsommer winkt durchs Fenster – am nächsten Tag beginnt hier für eine Patientin der Transplantationszyklus. Heute darf sie nochmals einen Abend und eine Nacht draussen verbringen. Auch für sie wird dieser plötzliche, frühe Sommertag im April von besonderer Bedeutung sein. Wie für meine Begleiterin. Sie ist beeindruckt und bewegt – wie vielen Menschen
heute dank der Blutstammzelltransplantation geholfen werden kann.



Foto: Hier werden die Patienten transplantiert

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