«Zur Solidarität müssen wir Sorge tragen!»

17.12.2018 Blogbeitrag von: Jacqueline Forster

Seit 100 Tagen ist der neue Direktor von Blutspende SRK Schweiz, Bernhard Wegmüller, im Amt. Wo er seine Schwerpunkte setzt und was ihn am meisten berührt, verrät er im Gespräch.


An der Wand fällt sofort die Uhr auf. Nur mathematisch Versierte können sie entziffern. Locker führt Bernhard Wegmüller durch die zwölf Formeln, welche je für eine Stundenzahl stehen. Als promovierter Biochemiker hat er zur Mathematik einen leichten Zugang.

Dynamisches Umfeld
Die Blutspende SRK Schweiz hat zwei Hauptaufgaben: sie sichert zusammen mit den regionalen Blutspendediensten die Versorgung der Spitäler mit Blutpräparaten. Im Bereichs Swiss Blood Stem Cells (SBSC) geht es um das Führen des Registers für Blutstammzellspender in der Schweiz sowie die Rekrutierung und die Vermittlung von Blutstammzellspendenden in der Schweiz für Patientinnen und Patienten im In- und Ausland.

«Dieser medizinisch-wissenschaftliche Teil ist sehr interessant und extrem dynamisch, ich lerne jeden Tag dazu», sagt Bernhard Wegmüller. In beiden Bereichen – Blutspende und Blutstammzellspende – gibt es laufend neue Erkenntnisse, neue Therapien und auch neue Gefährdungen wie das West-Nil-Virus oder der Hepatitis-E-Virus. «In diesem Bereich Dienstleistungen anzubieten ist sehr spannend.»

Ein Kränzchen für die regionalen Blutspendedienste
Die Sicherheit von Patienten und Spenderinnen ist bei Blutspende SRK Schweiz oberstes Gebot. Da geht es einerseits um die Gesundheit der Betroffenen, aber auch um die Versorgungssicherheit.
Im Bereich Blut ist schon immer die Herausforderung, die Blutversorgung jeder Zeit zu gewährleisten  – ohne dabei die wertvollen Blutkonserven zu verschwenden. Da kann der neue Direktor auf die bestens eingespielten elf regionalen Blutspendedienste in der Schweiz vertrauen. «Sie leisten eine sehr wertvolle Arbeit, gerade weil sie regional so gut verankert sind.»

Im Bereich der Blutstammzellspende darf Bernhard Wegmüller ebenfalls auf einer soliden Basis weiterfahren: «Schweizerinnen und Schweizer sind weltweit gefragte Spender», sagt er. «Damit wir weiterhin zu den weltbesten Registern zählen, braucht es auch künftig gute und spannende Spender.» Das – so weiss man aus wissenschaftlichen Erkenntnissen – sind vor allem junge Männer zwischen 18 und 40 Jahren.



Neben all diesen medizinischen Herausforderungen gilt es auch die Kosten im Griff zu haben. «Das ist ein Spannungsfeld», gibt Bernhard Wegmüller zu. «Medizinisch sind wir top – und kostengünstig sollte es auch sein. Denn wir dürfen die Krankenkassenprämien nicht unnötig belasten.» Die ständigen Neuerungen bei Produktionsprozessen, Labortests und Informationstechnologien bedingen deshalb, dass die heutigen Strukturen laufend überprüft werden.

Patientenschicksale motivieren
Hinter all diesen Fakten stehen menschliche Schicksale. In seinen ersten 100 Tagen hat Bernhard Wegmüller die Transplantationszentren in Genf, Basel und Zürich sowie das Kinderspital Zürich besucht. «Das ist sehr bewegend.» Die Menschen und vor allem die Kinder zu sehen, die zum Teil monatelang im Spital bleiben, hat ihn berührt. «Das finde ich extrem anspruchsvoll. Der Gedanke an diese Menschen motiviert mich jeden Tag für meine Arbeit.» Dann lobt er die Schweizer Bevölkerung: «Die Solidarität in unserem Land ist beispielhaft. Spenden beruht immer auf Freiwilligkeit, die Solidarität ist riesig. Dieser Solidarität gilt es Sorge zu tragen.»

Die Zeit ist um, Bernhard Wegmüller schaut auf die mathematische Uhr. «Ein Geschenk meiner Kinder», schmunzelt er und man spürt, wie sehr ihm seine Familie am Herzen liegt.

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SPENDE BLUT – RETTE LEBEN