«Helfen zu können gibt mir ein Glücksgefühl»

14.03.2019

Sandra Studhalter registrierte sich 2016 aufgrund eines Spendeaufrufes. Zwei Jahre später konnte sie ihre Blutstammzellen spenden. Sie erzählt uns offen, was sie erlebte und meint: «Die Strapazen haben sich gelohnt.»

Sandra Studhalter kann nach der Spende stolz ihre Blutstammzellen in der Hand halten.

 

Weshalb hast Du Dich als Blutstammzellspenderin registriert?

Ich habe mich 2016 registriert und zwar aufgrund des Spenderaufrufes von Patrik Arnold. Er ist der Bruder einer guten Kollegin. Ich bin auch regelmässige Blutspenderin, habe aber erst durch die Erkrankung von Patrik und seinem Spendeaufruf vom Thema Blutstammzellen erfahren und mich registrieren lassen.

 

Warst Du Dir damals bewusst , dass Du eines Tages als Spenderin ausgewählt werden könntest?

Ja, das war ich. Aber ich wusste auch, dass die Wahrscheinlichkeit klein ist. Natürlich hoffte ich, spenden zu können. Da Patrik jedoch schnell einen Spender gefunden hatte und er sich auch gut erholte, hatte ich meine Registrierung bald schon wieder fast wieder vergessen.

 

Wie war der Moment, als Du erfahren hast, dass Du als Spenderin infrage kommst?

Im Juni 2018 habe ich den Anruf erhalten. Das war im ersten Moment komisch, denn wie gesagt: das Thema war für mich weit weg. Ich hatte auch zwiespältige Gefühle. Man macht sich schon Gedanken darüber, was alles passieren kann und wie die Nebenwirkungen sein könnten. Aber man freut sich auch, zu helfen.

 

Wie ist es nach dieser Nachricht weitergegangen?

Bei der ersten Voruntersuchung im Blutspendezentrum Luzern Ende Juli war immer noch nicht klar, ob ich als Spenderin passen würde. Erst einige Monate später, Mitte November, wurde ich wieder kontaktiert. In der Zwischenzeit dachte ich nicht mehr gross daran. Am 23. November fand im Universitätsspital Zürich schliesslich die definitive Abklärung statt.  

 

Hast Du Dir überlegt, ob Du wirklich Spenderin werden willst? Gab es Zweifel, Ängste oder hattest Du Bedenken?

Für mich war immer klar, dass ich es machen werde, da ich gesundheitlich fit bin. Und auch meine Arbeitskollegen bestärkten mich in meinem Vorhaben. Sie sagten, sie würden auch spenden, wenn sie könnten. Das gab mir einen super Rückhalt.

Klar habe ich mir Gedanken gemacht, über den Ablauf und wie ich auf die Vorbereitungen reagieren würde. Schliesslich lief es besser als gedacht. Im Ganzen waren es neun Spritzen, die ich mir jeweils selbst verabreicht habe. Dieses Spritzen der Wachstumsfaktoren zweimal am Tag ging erstaunlich gut, aber ich habe mich schon nicht gerade gefreut, wenn es acht Uhr morgens und acht Uhr abends war.

 

Hast Du jemandem davon erzählt, dass Du als Spenderin ausgewählt wurdest?

Ja, mein Freund Marco und meine Familie wussten von Anfang an Bescheid. Meinem engsten Kollegenkreis habe ich es lange nicht erzählt.

 

Sandra Studhalter erhält während ihrer peripheren Spende Unterstützung von ihrem Freund Marco.

 

Wie verliefen die Tage vor der Spende? Was ging Dir durch den Kopf?

Meine Spende war am Montag. Von Samstag auf Sonntag schlief ich nicht so gut. Am Sonntag war ich sehr müde und hatte keinen grossen Appetit. Das war sicherlich wegen der Nervosität. Auf dem Weg ins Unispital war mir übel, und ich konnte nichts essen.

Die Vorstellung, dass Blut aus dem einen Arm herausfliesst und später in den anderen wieder hinein war schon etwas komisch. Zudem beschäftigte mich auch der Gedanke an den Patienten. Ich würde gerne wissen, wer diese Person ist, und ich hoffe natürlich sehr, dass ich mit meiner Spende jemandem das Leben retten kann. Für mich ist es ein Glücksgefühl, dass ich helfen kann. Worte können einfach nicht ausdrücken, was man empfindet. Wenn ich Empfängerin wäre, dann hätte ich wahrscheinlich das Bedürfnis, mich beim Spender zu bedanken.

 

Mit welchen Sätzen würdest du jemanden zu einer Spende motivieren?

Wenn ich jetzt zurückdenke, ist es easy. Klar ist es unangenehm, am Morgen und Abend die Spritzen mit den Wachstumsfaktoren zu setzen. Die ersten Tage dachte ich, das geht ja nie vorbei. Ich finde man müsste schon bereit sein, sich zu registrieren, denn es ist ein kleiner Aufwand. Und doch verstehe ich alle, die skeptisch sind. Es ist etwas Unbekanntes und man weiss nicht genau auf was man sich einlässt. Im Endeffekt ist es für mich ganz klar: Die Strapazen haben sich gelohnt.

 

Sandra Studhalter, 1989, Anwältin in einer Kanzlei in Altdorf

Hobbys: Skifahren, Wandern, Bergsteigen

www.sqs.ch www.zewo.ch wmda
 
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