In Knies Kinderzoo ein Versprechen eingelöst

08.11.2018

«Wenn ich hier wieder draussen bin, mache ich andere Menschen auf die Blutstammzellspende aufmerksam». Dieses Versprechen gab sich Béatrice Meier Mösli, als sie nach der Transplantation wochenlang im Isolationszimmer lag. Nun hat sie das Versprechen mit viel Humor eingelöst.

 

Frau Meier, Sie haben kürzlich am «Tag der Tag» in Knies Kinderzoo in Rapperswil eine Registrierungsaktion organisiert. Wie ist es dazu gekommen?
Im Januar 2014 erhielt ich die Diagnose «akute myeloische Leukämie». Für mich brach eine Welt zusammen. Ein sofortiger Eintritt ins Unispital Zürich war erforderlich, da es mir schon sehr schlecht ging. Nach drei Chemotherapien kam die Leukämie zurück. Die einzige Chance für eine Heilung war eine Blutstammzelltransplantation.

Ich hatte grosses Glück: schnell wurde ein passender Spender gefunden. Während der fast vier Wochen im Isolationszimmer hatte ich viel Zeit nachzudenken. Da fasste ich den Entschluss, mich im Falle einer Genesung für die Spendersuche zu engagieren. Heute geht es mir gut, und ich wollte meinen damaligen Entscheid umsetzen. So stellte ich für den «Tag der Tat» ein Team zusammen und durfte die Aktion an meinem Wunschort, Knies Kinderzoo, durchführen.

Gibt es einen besonderen Grund, warum Sie den Kinderzoo gewählt haben?
Dieser Ort bedeutet mir viel. Ich habe dort als Elfjährige mehrere Wochen Ferien verbracht und reiten, voltigieren und Wagen fahren gelernt. Es wurden Kurse durchgeführt und wir haben auch im Kinderzoo gewohnt – es war eine wunderbare Zeit. Das Management und die Familie Knie waren sehr unterstützend, als ich anfragte, ob ich die Aktion im Kinderzoo durchführen könnte.

Wer hat Ihnen an diesem Tag geholfen?
Das Team war mir sehr wichtig, und es hat mich sehr berührt, dass alle von mir Angefragten sofort mitmachen wollten. Wir waren acht aufgestellte und voll motivierte Frauen, darunter zwei vom Roten Kreuz, welche die Spender registrierten und zwei Clowninnen.

Wie ist diese Registrierungsaktion abgelaufen?
Die Besucherinnen und Besucher sollten einen schönen Tag im Zoo erleben, und so gestaltete ich eine Aktion mit Humor und Leichtigkeit. Wir verbanden Spass und Aktivität mit dem Registrieren neuer Spender. Das hat super funktioniert. Der Tag war ein toller Erfolg. Wir hatten gute Gespräche, haben viele interessante Menschen kennen gelernt und berührende Lebensgeschichten erfahren. So viele hilfsbereite Menschen zu treffen war wunderschön.

 

Wie geht es Ihnen heute?
Diesen September habe ich den vierten Geburtstag nach der Transplantation gefeiert. Mir geht es sehr gut und ich muss auch keine Medikamente mehr einnehmen.

Wie wurde ihr Leben durch die Krankheit und auch die Genesung geprägt?
Abgesehen von kleinen Einschränkungen führe ich ein normales Leben. Ich meide grosse Menschenansammlungen, und wenn es sich nicht vermeiden lässt, wie z.B. in einem Flugzeug, trage ich eine Mundmaske, denn ich stecke mich leicht an. Ich bin eine leidenschaftliche Reiterin, auch beim Stall ausmisten oder Pferde putzen trage ich eine Maske. Zum Glück hat sich mein Pferd daran gewöhnt, am Anfang hatte er Angst davor.

Zudem lebe ich viel bewusster. Dinge, die mich früher geärgert haben, nehme ich heute leichter.  Ich kann mich auch über ganz kleine Dinge freuen und geniesse die Natur sehr. Und ich bin dankbar, noch am Leben zu sein. Ich denke oft an meinen Spender und hoffe, dass es diesem Menschen gut geht. Dank ihm bin ich noch am Leben.

Möchten Sie kranken Menschen und Ihren Angehörigen etwas mit auf den Weg geben?
Jeder Mensch ist unterschiedlich und hat unterschiedliche Bedürfnisse. Für mich war das Wichtigste die Hoffnung und der Glaube, dass ich wieder gesund werde. Im Spital hat mir dieses selbst gedichtete Zitat sehr geholfen: «Positive Gedanken sind wie Flügel, sie tragen mich zu meinen Zielen». 

Meine Spitalzimmer habe ich mit vielen Fotos geschmückt, die mich positiv stimmten. Mental stellte ich mir immer wieder vor, gesund zu sein. Dazu gehörte auch das Erstellen einer Liste mit Dingen, die ich tun wollte, wenn ich wieder «draussen» und gesund bin. Vieles habe ich umgesetzt, an anderem arbeite ich noch.

Mir ist auch sehr bewusst geworden, wie schwierig eine solche Situation für die Angehörigen ist. Obwohl es Angebote zur Unterstützung gibt, müssen sie oft alleine fertig werden mit ihren Sorgen und Ängsten. Die Patienten hingegen werden sehr gut betreut. Gefühle wie Angst, Wut und Hilflosigkeit kommen hoch und es hilft, wenn man mit jemandem darüber sprechen kann. Mir hilft es auch, dass ich viele Transplantierte und ihre Angehörigen kenne und die Gespräche mit ihnen sehr schätze. Auch mein tolles Umfeld – Familie, Freunde, Nachbarn und Kunden – sind und waren immer eine grosse Hilfe. Auch mein Mann hat mich immer unterstützt.

Was raten Sie Menschen, die noch nie von einer Blutstammzellspende gehört haben?
Unbedingt die Webseite von www.sbsc.ch lesen und sich wenn möglich registrieren lassen! Es kann jeden treffen egal welches Alter. Leider höre ich immer wieder von Menschen die sterben, weil kein geeigneter Spender gefunden wird. Je mehr Menschen sich registrieren lassen umso mehr Menschen werden überleben. Von Herzen danke ich allen, die sich registrieren oder andere über die Blutstammzellspende informieren.

www.sqs.ch www.zewo.ch wmda
 
GEMEINSAM GEGEN LEUKAEMIE