„Jede einzelne Registrierung ist wichtig“

14.02.2018

„Erst dann zu reagieren, wenn man davon betroffen ist - wie in meinem Fall - scheint nicht sehr sinnvoll. Da die Registrierung bis zu drei Monate dauern kann, ist es dann häufig zu spät.“ Wieso Raphael Helfrich zu diesem Schluss kommt und zur Registrierung aufruft, lest ihr im folgenden Bericht.*


Raphael Helfrich (links) mit Adam Cronk, Leiter des Fitnessstudios F45. BIld: Julia Reich

Raphael Helfrich, Sie sind Student an der Universität St. Gallen und arbeiten in Ihrer Freizeit als Fitness-Instruktor im F45, einem neuen Fitnessstudio in St. Gallen. Wie kamen Sie auf die Idee, im Fitness-Studio eine Sensibilisierungsaktion für die Blutstammzellspende durchzuführen?

Ich bin durch die Krebserkrankung meines besten Freundes auf das Thema aufmerksam geworden. Nach mehreren gescheiterten Chemotherapien hiess es, eine Blutstammzelltransplantation sei die letzte Möglichkeit, um ihn von seinem bösartigen Lymphom zu retten.

Nachdem ich mich in das Thema eingelesen hatte, startete ich mit weiteren Freunden eine kleine Facebook-Sensibilisierungsaktion. Als ich schliesslich meinem Chef Adam darüber erzählte, schlug er mir vor, auch in unserem Fitnesscenter eine Aktion durchzuführen, um noch mehr Leute zu erreichen.

Sie haben an der Aktion zur Registrierung aufgerufen und auch Geld gesammelt. Wie sind Sie da genau vorgegangen?

Das primäre Ziel war, möglichst viele Personen über die Blutstammzellspende zu informieren, da ich zuvor selbst nie davon gehört hatte. Mit Plakaten und Flyern von Blutspende SRK Schweiz haben wir bereits eine Woche vor der Aktion unsere Kunden nach den Trainings auf das Thema aufmerksam gemacht. Die eigentliche Aktion fand dann nach unserem meistbesuchten Kurs - Hollywood session mit live DJ - am Samstag, 27. Januar statt. Dabei habe ich unter anderem erklärt, dass die Registrierung schnell und einfach von Zuhause aus gemacht werden könne und dass die Anzahl an potentiellen Spendern enorm wichtig sei, um die Chancen bei der Suche nach passenden Blutstammzellen zu erhöhen.

Statt einen direkten Spendenaufruf zu machen, habe ich einerseits über die Kosten der Typisierung und die Spendenmöglichkeit bei der Registrierung informiert, andererseits hat Adam die Gewinne aus der Körperanalyse - die wir am Aktionstag für CHF 20 angeboten haben - gespendet.


Sie sorgten mit dem DJ für gute Stimmung und boten eine Körperanalyse an –  wie muss man sich diese vorstellen?

Trainings mit live DJ haben wir ungefähr einmal pro Monat, jeweils an einem Samstag. Die mitreissende Musik sorgt für eine erhöhte Motivation, was zu intensiveren Workouts führt. Das kommt immer gut an.
Die Körperanalyse hatten wir an diesem Wochenende, weil am folgenden Montag eine "F45 8 Wochen Challenge" begann. Adam hatte ein Messgerät gemietet, um eine DSM Bioelektrische Impedanzanalyse (BIA) durchzuführen, mit welcher die Körperzusammensetzung (Wasser-, Muskel-, Fettanteil) durch Stromsignale detailliert bestimmt wird. Die Analyse dauert eine Minute und die Ergebnisse werden einfach und übersichtlich auf ein A4-Blatt dargestellt und anschliessend mit uns besprochen. Ziel ist es, nach dieser 8 Wochen Fitness- und Ernährungschallenge die Fortschritte zu messen, was nochmals für eine erhöhte Motivation und vor allem für Durchhaltevermögen sorgt. Das Interesse dafür war sehr gross.

Ins Fitnesszentrum geht man – unter anderem – wegen der Gesundheitsvorsorge. Wie reagierten die Kunden, als sie durch Ihre Aktion auf Krankheiten wie Leukämie oder andere schwere Krankheiten des Blutbildes aufmerksam gemacht wurden?

Unsere Kunden sind natürlich gesundheitsbewusst und wir achten während den Trainings vor allem auf eine korrekte Ausführung der Übungen, damit sich niemand (auch langfristig) verletzt. Schwere Krankheiten können jedoch jederzeit auftreten und jede/jeden betreffen. Das Thema wurde sehr ernst genommen und alle haben aufmerksam zugehört. "Wir können uns glücklich schätzen, gesund zu sein und Sport treiben zu können. Es ist ein Privileg, welches leider viele nicht haben und auch wir blitzschnell verlieren können. Darum sollte man jeden Tag geniessen und die kleinen Unannehmlichkeiten des Lebens nicht überhand nehmen lassen" habe ich abschliessend noch gesagt.

Haben Sie mit Ihrer Aktion Ihre Ziele erreicht? Und was würden Sie anderen Unternehmen oder Vereinen nach Ihrer Erfahrung empfehlen, falls diese einen ähnlichen Anlass organisieren möchten?

Inwiefern die Aktion zu neuen Registrierungen und Spenden geführt hat, kann ich nicht abschätzen. Aber unsere Kunden sind nun auf jeden Fall über die Blutstammzellspende informiert. Ich hoffe sehr, dass sich einige danach ein paar Minuten ihrer Zeit genommen haben, um sich zu registrieren. Es ist wirklich eine einfache Sache, die jedoch enorm viel bewirken kann. Klar ist das Interesse dafür nicht sehr gross, wenn man keinen direkten Bezug dazu hat. Erst dann zu reagieren, wenn man davon betroffen ist - wie in meinem Fall - scheint jedoch nicht sehr sinnvoll. Da die Registrierung bis zu drei Monate dauern kann, ist es dann häufig zu spät.

Ich möchte zusätzlich noch darauf hinweisen, dass jede einzelne Registrierung wichtig ist und man nicht glauben sollte "eine Person mehr oder nicht macht keinen Unterschied". Vielleicht hat genau diese eine zögerliche Person das Potential, mit den eigenen Stammzellen das Leben eines anderen Menschen zu retten.

 

*Das Interview wurde Ende Januar 2018 geführt. 

www.sqs.ch www.zewo.ch wmda
 
GEMEINSAM GEGEN LEUKAEMIE