Lebenswichtige Isolation

04.11.2019

Eine Transplantation von Blutstammzellen ist ein Ereignis grösster Hoffnung, zugleich aber auch grösster Gefahr. Denn Patientinnen und Patienten sind aufgrund hoch dosierter Chemotherapien Infekten schutzlos ausgesetzt. Sie leben daher für einige Zeit in speziell ausgerüsteten Isolierstationen. Einer von ihnen: der 21-jährige Malvin Martin.


«Es war sehr gewöhnungsbedürftig, so plötzlich auf engstem Raum in einem Einzelzimmer eingesperrt zu sein», erinnert sich Malvin Martin. Er war 2017 an akuter myeloischer Leukämie erkrankt. Nach einem Rückfall erhielt er 2019 im Universitätsspital Basel eine Transplantation von Blutstammzellen und verbrachte dort dreieinhalb Wochen auf der Isolierstation. Für jemanden, der sich selbst als Bewegungsmenschen bezeichnet und sich gerne im Freien aufhält, eine schwer zu ertragende Situation.

Unterdrücktes Immunsystem

Wie alle Patientinnen und Patienten erhielt auch Malvin Martin vor der Transplantation von Blutstammzellen eine hoch dosierte Chemotherapie. Diese soll möglichst alle der noch vorhandenen erkrankten bösartigen Zellen eliminieren und das Immunsystem so weit unterdrücken, dass es nicht zu Abstossungsreaktionen kommt. Dabei wird auch das gesunde Knochenmark und damit die gesamte Blutbildung zerstört. Nach der Transplantation dauert es ungefähr zwei bis drei Wochen, bis sich neue Blutzellen bilden und das Immunsystem langsam neu aufgebaut wird. Während dieser Zeit droht grösste Gefahr von Infekten durch Bakterien, Viren und Pilzen. Isolierstationen bieten den Patientinnen und Patienten dank ausgeklügelter Technik bestmöglichen Schutz.

Lange Tage

Malvin Martin verbrachte sowohl nach der Transplantation als auch bereits 2017 während eines Chemozyklus insgesamt viele Wochen auf einer Isolierstation. Was hilft, wenn man geschwächt und von der Umwelt abgeschottet ganze Tage in einem Einzelzimmer liegt? Die Besuche von Angehörigen natürlich, die unter strengen Hygienevorkehrungen erlaubt sind. Malvin Martin vertrieb sich die Zeit oft auch mit Filmen und Serien, spielte, wenn es ihm besserging, Computerspiele und baute Legomodelle zusammen, während er Hörspiele hörte.

Was ist ihm von diesen langen Wochen speziell in Erinnerung geblieben? «Ich konnte nichts entscheiden, war völlig fremdbestimmt», meint er im Rückblick. «Daran musste ich mich erst gewöhnen. Zum Glück hat mir das motivierte und humorvolle Pflegepersonal sehr geholfen, mit dieser schwierigen Situation umzugehen»

Seit ein paar Monaten ist Malvin Martin wieder zu Hause. Er erholt sich gut von der Transplantation. Zwar muss er wegen möglichen Ansteckungen immer noch vorsichtig sein, doch fällt ihm das in der gewohnten Umgebung um einiges leichter.

 

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