Pauschaler Ausschluss von MSM ist nicht mehr zeitgemäss

20.06.2016

Pressecommuniqué von „Blutspende SRK Schweiz“ vom 20. Juni 2016

 

Männer, die Sex mit Männern hatten (MSM), sollen nicht mehr pauschal von der Blutspende ausgeschlossen werden: Blutspende SRK Schweiz möchte stattdessen risikobasierte Spendekriterien einführen.

Die zwei Geschäftsfelder von Blutspende SRK Schweiz - Blutspende und Blutstammzellspende - basieren auf unterschiedlichen gesetzlichen Grundlagen. Bei der Blutstammzellspende konnte Blutspende SRK Schweiz die Kriterien deshalb in eigener Kompetenz anpassen: Ab dem 22. Juni 2016 gelten hier neue, risikobasierte Spendekriterien. Unabhängig davon, ob jemand hetero- oder homosexuell ist, wird ein Spender aufgrund seines persönlichen (Sexual-)Verhaltens einer von vier Risikogruppen zugeordnet. Die Frage nach MSM wird bei der Registrierung von Blutstammzellspendern gar nicht mehr gestellt.

Im Bereich Blutspende liegt der Entscheid jedoch letztinstanzlich bei der Aufsichtsbehörde Swissmedic. Sie hatte 2013 bekräftigt, dass Männer, die seit 1977 Sex mit Männern hatten, ungeachtet ihrer effektiven, heutigen Lebenssituation ausgeschlossen bleiben.

In den letzten Jahren haben viele Länder (USA, Italien, Frankreich, Grossbritannien, Australien, usw.) ihre Spendekriterien bezüglich MSM gelockert und meist zeitliche Rückweisungen anstelle der lebenslangen Sperre eingeführt. Blutspende SRK Schweiz hat sich ebenfalls seit Jahren für eine Anpassung dieser Bestimmungen ausgesprochen.

Antrag an Swissmedic

In den nächsten Tagen wird Blutspende SRK Schweiz deshalb einen neuen Antrag bei Swissmedic einreichen: In einem ersten Schritt sollen MSM ab Januar 2017 zur Blutspende zugelassen werden unter der Bedingung einer 12-monatigen sexuellen Abstinenz. Als ganz klares, längerfristiges Ziel soll aber analog zur Blutstammzellspende eine differenzierte Begutachtung des Risikoverhaltens für alle Blutspender gelten. Der Sachverhalt MSM als solcher wäre dann kein Ausschlussgrund mehr. Stattdessen würde gegebenenfalls das konkrete Verhalten eines Spenders, ungeachtet seiner sexuellen Orientierung, zu einer (meist temporären) Rückweisung führen. Die Erarbeitung dieser Kriterien ist jedoch komplex und liesse sich - das Einverständnis der Behörden vorausgesetzt - frühestens auf 2018 umsetzen.

Für Medienrückfragen: Dr. Rudolf Schwabe, Direktor Blutspende SRK Schweiz, Tel. 031 380 81 81.

Die Blutspende SRK Schweiz AG ist eine eigenständige Institution des Schweizerischen Roten Kreuzes. Sie führt im Auftrag der Eidgenossenschaft das Register von Blutstammzellspendern und sichert in Zusammenarbeit mit den regionalen Blutspendediensten die Versorgung der Spitäler mit Blutprodukten.

Dokumente

www.sqs.ch www.zewo.ch wmda
 
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